Buchtipp des Monats August 2019

 © Hartmut Fanger: 

Vom Vorreiter des „Moby-Dick“

Herman Melville: „Mardi und eine Reise dorthin“, Manesse-Verlag, München 2019, aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von Rainer G. Schmidt.

Zum 200. Geburtstag des großen Romanautors und Erschaffers von „Moby-Dick“, Herman Melville, am 1. August 2019, legt der Manesse-Verlag sein opulentes, 813 Seiten umfassendes Werk „Mardi und eine Reise dorthin“ in der preisgekrönten Übersetzung von Rainer G. Schmidt und mit einem vollkommen neu überarbeiteten Anmerkungsapparat vor. 

Ein Traum, eine Südsee-Odyssee, ein Buch der Superlative, die liebevolle Gestaltung, ausgezeichnete Übersetzung und die so umfangreiche wie fundierte Kommentierung von Rainer G. Schmidt machen das Ganze zu einem Leseereignis. Grandiose Landschaftsbeschreibungen und Wolkendarstellungen erheben sich immer wieder vor dem geistigen Auge des Lesers: „Hoch aufgetürmt über den gesamten Westhorizont goldene und karminrote Wolken, Bögen, Gewölbe, Minarette der Luft, als ginge die maurische Sonne hinter einer riesigen Alhambra unter.“ Der heiter-ironische, bis hin zu Sarkasmus grenzende Tenor und die spannende Handlung tun das Übrige. Von der ersten Seite bis zum Schluss fesselnd. Philosophisches Gedankengut, spielerisch leicht vor Augen geführt. Sei es, wenn Melville räsoniert, dass ‚Glück nur in der Rückschau, vom Kummer her’, erfahrbar sei, wenn genügend Abstand vorhanden wäre: „Um eine blühende Landschaft wahrzunehmen, muss man sich aus ihr herausbegeben.“ Oder die immer wieder mit viel Humor gewürzten Überlegungen, was eigentlich den Menschen ausmacht: „Kommen unsere Träume von unten und nicht vom Himmel? Sind wir Engel oder Hunde? O Mensch, Mensch, Mensch, du bist schwerer zu enträtseln als Integralrechnung – und bist doch so einfach wie eine ABC-Fibel ...“ Im Übrigen treffend am Beispiel der Südsee-Bewohner der fiktiven Insel „Mardi“ vor Augen geführt, wo Repression, Despotismus und starre Hierarchien die Politik beherrschen. Zugleich Spiegelung der Unterdrückung der Völker bis heute, was nicht zuletzt die Aktualität des Werkes, seine unverbrauchte Vitalität ausmacht. 

Doch auch die zahlreichen Referenzen auf literarische Werke machen das Ganze zu einem Lesevergnügen. Etwa, wenn Melville ‚mit dem König auf seinem Thron’ auf Shakespeares „Macbeth“, anspielt, auf „Doktor Faust“, der ‚den Teufel erblickt’, oder in seinem 58. Kapitel die Zeile  „Über allen Gipfeln ist Ruh“ des Gedichts „Wandrers Nachtlied“ von Goethe variiert: „Ruh’ war über allen Wipfeln ...“(S.224).

Der Dichterfürst wiederum wird an anderer Stelle erwähnt, worin in punkto Religion als an das ‚alldurchdringende Prinzip, das auch Goethe und andere guthießen’, erinnert wird. 

Doch damit nicht genug. Natürlich sind auch jede Menge Episoden und Szenen nachzulesen, die bereits auf den Klassiker von Melville, „Moby Dick“, hinweisen. So, wenn an ‚das amerikanische Walfangschiff Essex’ erinnert wird, ‚das im November 1820 von einem Pottwal angegriffen und versenkt wurde und als eines der Vorbilder Moby Dicks gilt, oder wenn es heißt, dass westlich der Galapagos-Inseln fast niemand zu dem Archipel findet, „selbst Walfänger nicht, die sich sonst überall tummeln.“ In aller Ausführlichkeit beschreibt Melville einstige Segelschiffe oder bringt die „Gemeinschaft von Seeleuten“ nahe, die u.a. als „Kumpelwesen“ deklariert werden. Und selbstverständlich sind die eigentlichen Meereswesen auch in diesem Roman von Bedeutung: Neben verschiedensten Walarten, wie der bereits erwähnte Pottwal, werden Schwarzwale, Mörderwale ins Feld geführt ebenso wie sich auf mehreren Seiten diverse Thunfischarten, Riesenhaie, Fuchshaie, der Weiße Hai und viele mehr einfinden. Ein Unterwasseruniversum der besonderen Art. Und ein Lesespaß nicht nur für die Großen! 

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Manesse-Verlag  

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Siehe auch Arie Anwar  "Kreise ziehen"  

Lesung: Herman Melville: „Mardi und eine Reise dorthin“, Manesse-Verlag, München 2019, aus dem Englischen übersetzt und kommentiert von Rainer G. Schmidt.

 

Am 4. August findet im Schloss Elmau anlässlich des 200. Geburtstags des Autors von "Moby Dick" Herman Melville eine Veranstaltung statt. Lothar Müller von der Süddeutschen Zeitung führt in Leben und Werk ein. Anschließend liest Thomas Loibl aus dem Roman "Mardi und eine Reise dorthin" 

 

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